Herzensprojekt-Challenge im August: Band 2 der Tagebücher meiner Großmutter

1. August 2026
Eine Herz-Grafik auf dem Wort Challenge

Wenn ich ehrlich bin, ist der Begriff Herzensprojekt-Challenge für mich etwas grenzwertig. Klingt kitschig, oder? Aber egal, das Thema berührt mich emotional, und zwar aus mehreren Gründen.

Zum einen, weil ich es so verrückt finde: Als meine Großeltern noch lebten und, so wie ich es wahrgenommen hatte, bereit waren, über ihr Leben zu erzählen, hatte ich kein Ohr dafür. Die ollen Geschichten, und überhaupt: Man konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass meine Großeltern mal jung und modern gewesen sein könnten. Aber das waren sie durchaus, wie ich inzwischen weiß.

So habe ich in meiner grenzenlosen Ignoranz mein Leben in Hier und Jetzt gelebt. Doch als ich älter wurde, erkannte ich meinen Irrtum. Da lebten sie leider nicht mehr.

Meine Großmutter hat jeden Abend über ihren Tagebüchern gesessen und geschrieben. Einen Fernseher gab es im Haushalt meiner Großeltern nicht. Wozu auch? Sie hätten ohnehin keine Zeit zum Fernsehen gehabt. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Wohnzimmerschrank, in dem sie ihre vielen Tagebücher aufbewahrte. Sie sagte mal, sie habe ihr Leben aufgeschrieben, für uns.

Damals hat mich allerdings nicht wirklich interessiert, was sie da schreibt.

Einige Jahre nach dem Tod meiner Großeltern übergab mir mein Vater mehrere prall gefüllte Leitz-Ordner. Er hatte für uns Kinder Kopien der Tagebücher angefertigt, die Originale sind sicher verwahrt. Das ist inzwischen mindestens 20 Jahre her.

Vor ungefähr 15 Jahren habe ich dann begonnen, die in altdeutscher Schrift von Hand verfassten Tagebücher zu lesen. Weil ich das sehr mühsam fand, habe ich alles, was ich entziffert hatte, gleich in eine Word-Datei geschrieben.

Warum dauert das so lange?

Ich kann die altdeutsche Handschrift nicht einfach so lesen, auch wenn sie wunderschön aussieht. Bei gedruckten Büchern geht das, wenn ich mich erst mal eingelesen habe. Aber Handschrift ist noch mal eine andere Nummer.

Weil die Tagebücher durch die Bindung am Mittelsteg nicht immer flach auf dem Kopierglas lagen, fehlen bei den Kopien manchmal auch die Ränder. Ein paar Buchstaben pro Seite sind einfach weg.

Die Originalseiten ließen sich vermutlich einfacher entziffern als die Kopien in den Leitz-Ordnern, aber ich habe die Originale erst mal dort gelassen, wo sie sind. Inzwischen habe ich ihren Wert erkannt und versuche, mit den Kopien zurechtzukommen.

Vor einer Weile habe ich eine Transkriptionssoftware ausprobiert. Das hilft ein bisschen, aber im Bereich der schwarzen Mittelsteg-Binung kann keine noch so gute Software helfen. Und das eigenständige Lesen kann sie ohnehin nicht ersetzen. Vor allem Eigennamen oder abgeschnittene Wörter muss ich mir nach wie vor selbst zusammenreimen.

Um mit dem Aufbereiten der Tagebücher voranzukommen, lege ich mir immer mal einen Fokusmonat ein. Den nenne ich dann Herzensprojekt-Challenge, denn inzwischen ist das wirklich zu meinem Herzensprojekt geworden. Hier ist mein Blogartikel zu meinem Fokusmonat vom letzten Jahr: Eine Herzensprojekt-Challenge: Mein Juni-Experiment mit den Tagebüchern meiner Großmutter

Herzensprojekt-Challenge im August 2026

Ziel: Band 2 der Tagebücher meiner Großmutter beginnen, ab dem Jahr 1932
Vorgehen: täglich rund 10 Seiten der handschriftlichen Tagebücher entziffern und abtippen, ein Jokertag pro Woche als Puffer
Für wen: alle mit einem liegengebliebenen Herzensprojekt, egal ob Familiengeschichte, Kreativprojekt oder etwas ganz anderes
Tipp vorab: Wie es mit Band 1 gelaufen ist, liest du im Juni-Artikel dieser Serie: Herzensprojekt-Challenge im Juni

Im August geht’s weiter, mit Band 2!

Warum ausgerechnet dieses Projekt, und warum jetzt?

Ich habe immer mal Phasen, in denen ich gut vorankomme, dann kommt auch mal wieder eine mehrjährige Pause. Allerdings … wenn ich in dem Tempo weitermache, werde ich wohl nie erfahren, was meine Großmutter zum Beispiel über meine Kleinkindzeit geschrieben hat. Immerhin war ich ihre erste Enkelin.

Meine letzte Herzensprojekt-Challenge war im Juni 2025. Ich habe täglich mehrere Seiten transkribiert und in meinem Blogartikel ein kurzes Update dazu geschrieben, über meine Entdeckungen, den Transkriptionsprozess, wie es mir damit geht, so weit in die Vergangenheit einzutauchen, immerhin fast 100 Jahre.

Meine letzte Herzensprojekt-Challenge endete mit Aufzeichnungen aus der Jahr 1932. Zu diesem Zeitpunkt war meine Großmutter 30, hatte zwei kleine Kinder, darunter meinen Vater, ein drittes sollte noch folgen. Sie schreibt über ihren Alltag mit den Kindern, mit meinem Großvater, dem Dekorationsmalergeschäft, den gemeinsamen Freunden, den Ausflügen. Aber auch über den politischen Alltag zu jener Zeit.

Vieles, was ich erfahren habe, hat mich überrascht, einiges bedrückt, vieles auch belustigt. Vor allem aber habe ich meine Großeltern von einer Seite kennengelernt, die ich niemals erwartet hätte.

In den letzten Monaten hatte ich die noch nicht transkribierten Leitz-Ordner immer vor Augen und wusste, dass es dort wahrscheinlich ebenso aufschlussreich weitergeht.

Vielleicht hast du auch so ein Projekt, das nie wirklich drängt und trotzdem nie ganz verschwindet?

Was am Ende des Monats stehen soll

Ein festes Seitenziel kann ich diesmal nicht nennen. Anders als bei Band 1, wo ich genau wusste, wie viele Seiten noch übrig waren, weiß ich bei Band 2 noch nicht, wie umfangreich er überhaupt ist.

Was ich am Ende des August stehen haben will:

  • Band 2 begonnen, nicht nur angefangen und wieder liegen gelassen
  • ein Stück weiter im Jahr 1932, vielleicht schon in 1934
  • jeden Tag im Blog dokumentiert, was ich entdeckt habe

Wie weit ich komme? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Das macht es aber auch spannend.

Wie ich im August konkret vorgehe

Mein Plan: 10 Seiten pro Tag transkribieren. Das ist ambitioniert, das weiß ich. An manchen Tagen werden es nur 5 sein, weil der Text schwerer zu entziffern ist oder der Tag einfach voller ist.

Damit ich nicht bei der ersten Ausnahme das ganze Vorhaben über Bord werfe, gönne ich mir einen Tag pro Woche, an dem ich nichts transkribiere. Vermutlich werde ich ihn nicht mal brauchen. Aber allein zu wissen, dass er da ist, nimmt Druck raus.

Vielleicht kennst du das: Ein besonderer Moment passiert, und ein paar Wochen später weißt du kaum noch, wie er sich angefühlt hat.
Darum geht es in „Erste Male, die bleiben“: Momente festhalten, bevor sie verblassen. Vielleicht verändert das nicht die objektive Zeit. Aber vielleicht sorgt es dafür, dass mehr bleibt.
Mehr über „Erste Male, die bleiben“

Warum mich gerade diese Jahre so reizen

Ich weiß natürlich, wie das Leben meiner Großeltern im Wesentlichen verlaufen ist. Ich weiß, dass sie ihr Haus bei den britischen Luftangriffen 1942 nur retten konnten, weil sie nicht wie angeordnet den Luftschutzbunker aufgesucht hatten und dadurch in der Lage waren, zwei Brandbomben vom Dach zu holen. Ich wusste, wo sich die weiblichen Hausbewohner versteckt hatten. Und dass sie alle den Krieg glücklicherweise überlebt haben.

Dennoch interessiert mich, wie sie die Zeit zum damaligen Zeitpunkt erlebt haben. Gerade die Zeit nach 1932. Unverfälscht, als Zeitzeugen statt im Rückblick. Ich bin sehr gespannt, was mich in diesen Seiten erwartet!

Was diese Challenge nicht ist

Diese Challenge ist kein Pflichtprogramm, bei dem ich um jeden Preis 10 Seiten am Tag abarbeite. Wenn ein Tag nur 5 Seiten hergibt, ist das auch ein guter Tag.

Sie ist auch keine akademische Transkriptionsarbeit. Ich übersetze nicht wortgenau für ein Archiv, sondern für mich und für alle, die mitlesen wollen. Manche Wörter bleiben offen, die markiere ich einfach mit „…“.

Und sie ist kein Versprechen, dass Band 2 am 31. August fertig ist. Wie umfangreich er wird, weiß ich schlicht noch nicht.

Challenge dich glücklich!

100+ Ideen für deine nächste Selbst-Challenge und wie du sie wirklich durchziehst. 16 Seiten, kostenlos. Du wirst sie lieben – versprochen!

Lade dir jetzt das Workbook herunter:

Jokertage & Flexibilität

Ein Jokertag pro Woche, das sind vier im ganzen August. Nutze ich sie nicht, verfallen sie einfach. Kein Nachholen, kein schlechtes Gewissen!

Selbst wenn ich am Ende des Monats weniger geschafft habe als geplant, werde ich trotzdem weiter sein als heute. Darum geht’s bei jeder Challenge. Du fällst nie ganz auf den Ausgangspunkt zurück, selbst an schlechten Tagen bleibt ein kleiner Fortschritt.

Wie das Tagebuch aufgebaut ist

Ab dem 1. August dokumentiere ich hier täglich, was ich in den Tagebüchern meiner Großmutter entdecke. Welche Seite ich geschafft habe, was mich überrascht hat, wie sich das anfühlt, in eine fast 100 Jahre alte Handschrift einzutauchen.

Möchtest du mitlesen, wie es meiner Großmutter im Jahr 1932 ergangen ist? Dann schau ab und zu vorbei.

Das Challenge-Tagebuch meiner Herzensprojekt-Challenge 2026

Tag 1 – 1. August 2026: 30 Jahre Pause?

Gleich Tag 1 ist eine Überraschung. Denn als ich mir einen Überblick über die Aufgabe verschaffen wollte, sah ich: Der Ordner Band 2 beginnt mit dem Jahr 2027. Was ist da wohl schiefgegangen? Einen großen Teil der Seiten dieses Ordners kannte ich also schon.

Fast 5 Jahre wiederholten sich also im Ordner, das war ungefähr die Hälfte des Ordners. Dann ging es mit einem Rückblick weiter – 30 Jahre später. Zunächst schreibt sie über die politische Einordnung der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Das meiste ist allgemein bekannt. Was mich allerdings staunen ließ, war dieser Abschnitt:


In Oberschlesien wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Oberschlesien“ gegründet, kurz „Argo“ genannt. Diese baute vollkommen bargeldlos eine Tauschbörse nur durch gegenseitige Verrechnung. Der Gemeinschaft waren angeschlossen: Handwerker, Ladeninhaber, Arbeiter und Intellektuelle. Jedes Mitglied hatte ein Konto, auf das der Wert seiner Leistungen eingetragen wurde. Über die Beträge konnten die Kontoinhaber per Scheck untereinander frei verfügen, nach Abzug von 2 %, die für Verwaltungsarbeiten abgezweigt wurden. Nachdem der erste Versuch in Oberschlesien geglückt war, wurden überall in Deutschland solche Arbeitsgemeinschaften gegründet, die ihrerseits miteinander in Verbindung traten. In Rostock-Brinkmansdorf wurde von der Rostocker „Argo“ ein Einfamilienhaus gebaut.

In der Alpengemeinde Oberwörgel wurde versucht, die Erkenntnisse des Silvio Gesell („Die natürliche Wirtschaftsordnung“, 2. Auflage 1916/7. Auflage 1931) zu praktizieren. Das in der Gemeinde vorhandene Geld wurde umgetauscht in sogenanntes „Schwundgeld“. Diese Geldscheine verloren in jedem Monat einen geringen Prozentsatz an Wert. Jeder Besitzer dieses Geldes hatte also Interesse daran, seine Scheine schnell weiterzugeben, also Waren zu erwerben und damit Arbeit zu schaffen.

Dieses Verfahren war nicht so kompliziert, wie es nach dieser Darstellung scheinen mag. Was Silvio Gesell auf einigen hundert Seiten seines Buches niederlegte, kann hier nur angedeutet werden. In Obervörgel war die Arbeitslosigkeit binnen kurzem beseitigt.


Weiter schreibt sie, dass diese privaten Initiativen regierungsseitig verboten wurden. Das wundert mich nicht, schließlich wurden auch damals Steuereinnahmen benötigt. Dennoch erinnere ich mich, dass es bei uns mal ein ähnliches Projekt gab, die Verrechnungseinheit waren die Rostocker „Knoten“. Wie das wohl steuerlich funktioniert hat?

Jedenfalls schreibt sie nun doch einen Rückblick, wie es aussieht. Schade. Das Gute an der Sache ist allerdings, dass sich ihre Handschrift inzwischen verändert hat. Jetzt kann ich sie problemlos lesen. Nur … das Abschreiben macht mir nicht so recht Spaß. Es muss also mit Technik gehen. Heute habe ich es so probiert: Foto der Seite gemacht und an ChatGPT gegeben – er kann es sehr gut übersetzen. Klar lese ich es mir durch und gelegentlich macht er Fehler, aber die finde ich schnell.

Auf diese Weise habe ich heute 11 Seiten transkribiert, dabei wollte ich mich heute eigentlich nur auf den aktuellen Stand bringen.

Falls du gerade überlegst, was dein eigenes Herzensprojekt sein könnte:
Manchmal hilft ein Format, das dich nicht zu Perfektion drängt, sondern dazu einlädt, kleine Momente festzuhalten, bevor sie verloren gehen. Das war die Idee hinter „Erste Male, die bleiben“.
Mehr erfahren

Fazit: Was nehme ich aus meiner August-Challenge mit?

Wird Ende August ergänzt.

Über mich

Astrid Engel

Hey, ich bin Astrid. Auf meinem Blog dreht sich alles um Struktur, Planung, Zeitmanagement und Organisation für Scannerpersönlichkeiten, Multitalente, Multipotentialite und kreative Chaoten. Nenne uns, wie du willst – für mich sind wir einfach „Scanner“.

Newsletter

Hier kannst du dich zu meinem Newsletter anmelden, der voller Tipps für mehr Leichtigkeit, Struktur und Motivation im Alltag steckt.

Challenge dich glücklich!

100+ Ideen für Selbst-Challenges, die du wirklich durchziehst.

Im kostenlosen Workbook „Challenge dich glücklich“ bekommst du über 100 konkrete Challenge-Ideen aus sechs Lebensbereichen, plus zwei einfache Varianten, wie du deine eigene Challenge startest.

Mehr davon? Dann lies hier weiter:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner