Herzensprojekt-Challenge im August: Band 2 der Tagebücher meiner Großmutter

1. August 2026
Eine Herz-Grafik auf dem Wort Challenge

Wenn ich ehrlich bin, ist der Begriff Herzensprojekt-Challenge für mich etwas grenzwertig. Klingt kitschig, oder? Aber egal, das Thema berührt mich emotional, und zwar aus mehreren Gründen.

Zum einen, weil ich es so verrückt finde: Als meine Großeltern noch lebten und, so wie ich es wahrgenommen hatte, bereit waren, über ihr Leben zu erzählen, hatte ich kein Ohr dafür. Die ollen Geschichten, und überhaupt: Man konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass meine Großeltern mal jung und modern gewesen sein könnten. Aber das waren sie durchaus, wie ich inzwischen weiß.

So habe ich in meiner grenzenlosen Ignoranz mein Leben in Hier und Jetzt gelebt. Doch als ich älter wurde, erkannte ich meinen Irrtum. Da lebten sie leider nicht mehr.

Meine Großmutter hat jeden Abend über ihren Tagebüchern gesessen und geschrieben. Einen Fernseher gab es im Haushalt meiner Großeltern nicht. Wozu auch? Sie hätten ohnehin keine Zeit zum Fernsehen gehabt. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Wohnzimmerschrank, in dem sie ihre vielen Tagebücher aufbewahrte. Sie sagte mal, sie habe ihr Leben aufgeschrieben, für uns.

Damals hat mich allerdings nicht wirklich interessiert, was sie da schreibt.

Einige Jahre nach dem Tod meiner Großeltern übergab mir mein Vater mehrere prall gefüllte Leitz-Ordner. Er hatte für uns Kinder Kopien der Tagebücher angefertigt, die Originale sind sicher verwahrt. Das ist inzwischen mindestens 20 Jahre her.

Vor ungefähr 15 Jahren habe ich dann begonnen, die in altdeutscher Schrift von Hand verfassten Tagebücher zu lesen. Weil ich das sehr mühsam fand, habe ich alles, was ich entziffert hatte, gleich in eine Word-Datei geschrieben.

Warum dauert das so lange?

Ich kann die altdeutsche Handschrift nicht einfach so lesen, auch wenn sie wunderschön aussieht. Bei gedruckten Büchern geht das, wenn ich mich erst mal eingelesen habe. Aber Handschrift ist noch mal eine andere Nummer.

Weil die Tagebücher durch die Bindung am Mittelsteg nicht immer flach auf dem Kopierglas lagen, fehlen bei den Kopien manchmal auch die Ränder. Ein paar Buchstaben pro Seite sind einfach weg.

Die Originalseiten ließen sich vermutlich einfacher entziffern als die Kopien in den Leitz-Ordnern, aber ich habe die Originale erst mal dort gelassen, wo sie sind. Inzwischen habe ich ihren Wert erkannt und versuche, mit den Kopien zurechtzukommen.

Vor einer Weile habe ich eine Transkriptionssoftware ausprobiert. Das hilft ein bisschen, aber im Bereich der schwarzen Mittelsteg-Binung kann keine noch so gute Software helfen. Und das eigenständige Lesen kann sie ohnehin nicht ersetzen. Vor allem Eigennamen oder abgeschnittene Wörter muss ich mir nach wie vor selbst zusammenreimen.

Um mit dem Aufbereiten der Tagebücher voranzukommen, lege ich mir immer mal einen Fokusmonat ein. Den nenne ich dann Herzensprojekt-Challenge, denn inzwischen ist das wirklich zu meinem Herzensprojekt geworden. Hier ist mein Blogartikel zu meinem Fokusmonat vom letzten Jahr: Eine Herzensprojekt-Challenge: Mein Juni-Experiment mit den Tagebüchern meiner Großmutter

Herzensprojekt-Challenge im August 2026

Ziel: Band 2 der Tagebücher meiner Großmutter beginnen, ab dem Jahr 1932
Vorgehen: täglich rund 10 Seiten der handschriftlichen Tagebücher entziffern und abtippen, ein Jokertag pro Woche als Puffer
Für wen: alle mit einem liegengebliebenen Herzensprojekt, egal ob Familiengeschichte, Kreativprojekt oder etwas ganz anderes
Tipp vorab: Wie es mit Band 1 gelaufen ist, liest du im Juni-Artikel dieser Serie: Herzensprojekt-Challenge im Juni

Im August geht’s weiter, mit Band 2!

Warum ausgerechnet dieses Projekt, und warum jetzt?

Ich habe immer mal Phasen, in denen ich gut vorankomme, dann kommt auch mal wieder eine mehrjährige Pause. Allerdings … wenn ich in dem Tempo weitermache, werde ich wohl nie erfahren, was meine Großmutter zum Beispiel über meine Kleinkindzeit geschrieben hat. Immerhin war ich ihre erste Enkelin.

Meine letzte Herzensprojekt-Challenge war im Juni 2025. Ich habe täglich mehrere Seiten transkribiert und in meinem Blogartikel ein kurzes Update dazu geschrieben, über meine Entdeckungen, den Transkriptionsprozess, wie es mir damit geht, so weit in die Vergangenheit einzutauchen, immerhin fast 100 Jahre.

Meine letzte Herzensprojekt-Challenge endete mit Aufzeichnungen aus der Jahr 1932. Zu diesem Zeitpunkt war meine Großmutter 30, hatte zwei kleine Kinder, darunter meinen Vater, ein drittes sollte noch folgen. Sie schreibt über ihren Alltag mit den Kindern, mit meinem Großvater, dem Dekorationsmalergeschäft, den gemeinsamen Freunden, den Ausflügen. Aber auch über den politischen Alltag zu jener Zeit.

Vieles, was ich erfahren habe, hat mich überrascht, einiges bedrückt, vieles auch belustigt. Vor allem aber habe ich meine Großeltern von einer Seite kennengelernt, die ich niemals erwartet hätte.

In den letzten Monaten hatte ich die noch nicht transkribierten Leitz-Ordner immer vor Augen und wusste, dass es dort wahrscheinlich ebenso aufschlussreich weitergeht.

Vielleicht hast du auch so ein Projekt, das nie wirklich drängt und trotzdem nie ganz verschwindet?

Was am Ende des Monats stehen soll

Ein festes Seitenziel kann ich diesmal nicht nennen. Anders als bei Band 1, wo ich genau wusste, wie viele Seiten noch übrig waren, weiß ich bei Band 2 noch nicht, wie umfangreich er überhaupt ist.

Was ich am Ende des August stehen haben will:

  • Band 2 begonnen, nicht nur angefangen und wieder liegen gelassen
  • ein Stück weiter im Jahr 1932, vielleicht schon in 1934
  • jeden Tag im Blog dokumentiert, was ich entdeckt habe

Wie weit ich komme? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Das macht es aber auch spannend.

Wie ich im August konkret vorgehe

Mein Plan: 10 Seiten pro Tag transkribieren. Das ist ambitioniert, das weiß ich. An manchen Tagen werden es nur 5 sein, weil der Text schwerer zu entziffern ist oder der Tag einfach voller ist.

Damit ich nicht bei der ersten Ausnahme das ganze Vorhaben über Bord werfe, gönne ich mir einen Tag pro Woche, an dem ich nichts transkribiere. Vermutlich werde ich ihn nicht mal brauchen. Aber allein zu wissen, dass er da ist, nimmt Druck raus.

Vielleicht kennst du das: Ein besonderer Moment passiert, und ein paar Wochen später weißt du kaum noch, wie er sich angefühlt hat.
Darum geht es in „Erste Male, die bleiben“: Momente festhalten, bevor sie verblassen. Vielleicht verändert das nicht die objektive Zeit. Aber vielleicht sorgt es dafür, dass mehr bleibt.
Mehr über „Erste Male, die bleiben“

Warum mich gerade diese Jahre so reizen

Ich weiß natürlich, wie das Leben meiner Großeltern im Wesentlichen verlaufen ist. Ich weiß, dass sie ihr Haus bei den britischen Luftangriffen 1942 nur retten konnten, weil sie nicht wie angeordnet den Luftschutzbunker aufgesucht hatten und dadurch in der Lage waren, zwei Brandbomben vom Dach zu holen. Ich wusste, wo sich die weiblichen Hausbewohner versteckt hatten. Und dass sie alle den Krieg glücklicherweise überlebt haben.

Dennoch interessiert mich, wie sie die Zeit zum damaligen Zeitpunkt erlebt haben. Gerade die Zeit nach 1932. Unverfälscht, als Zeitzeugen statt im Rückblick. Ich bin sehr gespannt, was mich in diesen Seiten erwartet!

Was diese Challenge nicht ist

Diese Challenge ist kein Pflichtprogramm, bei dem ich um jeden Preis 10 Seiten am Tag abarbeite. Wenn ein Tag nur 5 Seiten hergibt, ist das auch ein guter Tag.

Sie ist auch keine akademische Transkriptionsarbeit. Ich übersetze nicht wortgenau für ein Archiv, sondern für mich und für alle, die mitlesen wollen. Manche Wörter bleiben offen, die markiere ich einfach mit „…“.

Und sie ist kein Versprechen, dass Band 2 am 31. August fertig ist. Wie umfangreich er wird, weiß ich schlicht noch nicht.

Challenge dich glücklich!

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Jokertage & Flexibilität

Ein Jokertag pro Woche, das sind vier im ganzen August. Nutze ich sie nicht, verfallen sie einfach. Kein Nachholen, kein schlechtes Gewissen!

Selbst wenn ich am Ende des Monats weniger geschafft habe als geplant, werde ich trotzdem weiter sein als heute. Darum geht’s bei jeder Challenge. Du fällst nie ganz auf den Ausgangspunkt zurück, selbst an schlechten Tagen bleibt ein kleiner Fortschritt.

Wie das Tagebuch aufgebaut ist

Ab dem 1. August dokumentiere ich hier täglich, was ich in den Tagebüchern meiner Großmutter entdecke. Welche Seite ich geschafft habe, was mich überrascht hat, wie sich das anfühlt, in eine fast 100 Jahre alte Handschrift einzutauchen.

Möchtest du mitlesen, wie es meiner Großmutter im Jahr 1932 ergangen ist? Dann schau ab und zu vorbei.

Das Challenge-Tagebuch meiner Herzensprojekt-Challenge 2026

Tag 1 – 1. August 2026: 30 Jahre Pause?

Gleich Tag 1 ist eine Überraschung. Denn als ich mir einen Überblick über die Aufgabe verschaffen wollte, sah ich: Der Ordner Band 2 beginnt mit dem Jahr 2027. Was ist da wohl schiefgegangen? Einen großen Teil der Seiten dieses Ordners kannte ich also schon.

Fast 5 Jahre wiederholten sich also im Ordner, das war ungefähr die Hälfte des Ordners. Dann ging es mit einem Rückblick weiter – 30 Jahre später. Zunächst schreibt sie über die politische Einordnung der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Das meiste ist allgemein bekannt. Was mich allerdings staunen ließ, war dieser Abschnitt:


In Oberschlesien wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Oberschlesien“ gegründet, kurz „Argo“ genannt. Diese baute vollkommen bargeldlos eine Tauschbörse nur durch gegenseitige Verrechnung. Der Gemeinschaft waren angeschlossen: Handwerker, Ladeninhaber, Arbeiter und Intellektuelle. Jedes Mitglied hatte ein Konto, auf das der Wert seiner Leistungen eingetragen wurde. Über die Beträge konnten die Kontoinhaber per Scheck untereinander frei verfügen, nach Abzug von 2 %, die für Verwaltungsarbeiten abgezweigt wurden. Nachdem der erste Versuch in Oberschlesien geglückt war, wurden überall in Deutschland solche Arbeitsgemeinschaften gegründet, die ihrerseits miteinander in Verbindung traten. In Rostock-Brinkmansdorf wurde von der Rostocker „Argo“ ein Einfamilienhaus gebaut.

In der Alpengemeinde Oberwörgel wurde versucht, die Erkenntnisse des Silvio Gesell („Die natürliche Wirtschaftsordnung“, 2. Auflage 1916/7. Auflage 1931) zu praktizieren. Das in der Gemeinde vorhandene Geld wurde umgetauscht in sogenanntes „Schwundgeld“. Diese Geldscheine verloren in jedem Monat einen geringen Prozentsatz an Wert. Jeder Besitzer dieses Geldes hatte also Interesse daran, seine Scheine schnell weiterzugeben, also Waren zu erwerben und damit Arbeit zu schaffen.

Dieses Verfahren war nicht so kompliziert, wie es nach dieser Darstellung scheinen mag. Was Silvio Gesell auf einigen hundert Seiten seines Buches niederlegte, kann hier nur angedeutet werden. In Obervörgel war die Arbeitslosigkeit binnen kurzem beseitigt.


Weiter schreibt sie, dass diese privaten Initiativen regierungsseitig verboten wurden. Das wundert mich nicht, schließlich wurden auch damals Steuereinnahmen benötigt. Dennoch erinnere ich mich, dass es bei uns mal ein ähnliches Projekt gab, die Verrechnungseinheit waren die Rostocker „Knoten“. Wie das wohl steuerlich funktioniert hat?

Jedenfalls schreibt sie nun doch einen Rückblick, wie es aussieht. Schade. Das Gute an der Sache ist allerdings, dass sich ihre Handschrift inzwischen verändert hat. Jetzt kann ich sie problemlos lesen. Nur … das Abschreiben macht mir nicht so recht Spaß. Es muss also mit Technik gehen. Heute habe ich es so probiert: Foto der Seite gemacht und an ChatGPT gegeben – er kann es sehr gut übersetzen. Klar lese ich es mir durch und gelegentlich macht er Fehler, aber die finde ich schnell.

Auf diese Weise habe ich heute 11 Seiten transkribiert, dabei wollte ich mich heute eigentlich nur auf den aktuellen Stand bringen.

Falls du gerade überlegst, was dein eigenes Herzensprojekt sein könnte:
Manchmal hilft ein Format, das dich nicht zu Perfektion drängt, sondern dazu einlädt, kleine Momente festzuhalten, bevor sie verloren gehen. Das war die Idee hinter „Erste Male, die bleiben“.
Mehr erfahren

Tag 2 – 2. August 2026: 30 Jahre Pause?

Der Text über die politischen Verhältnisse hatte übrigens mein Großvater verfasst, wie ich erfahre. Deshalb also die veränderte Handschrift. Einiges hat mich überrascht. Zum Beispiel, dass er nach dem Krieg in einer Entnazifizierungskommission war. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass er nie in der NSDAP war. Er schreibt, dass man ihn mal gefragt hat, ob er nicht Mitglied werden möchte. Man wollte ihn gern zum Obermeister der Malerinnung machen, deshalb wurde ihm das nahegelegt, in die NSDAP einzutreten. Er lehnte jedoch ab. Das ist auch aus den inzwischen veröffentlichen Archivakten erkennbar.

Er schreibt auch, dass bereits damals für Architekten Landschaftsschutz selbstverständlich war, und sie sich angesichts der Forderungen von Hitler einiges einfallen lassen mussten. Das war mir nicht bewusst, ich dachte bisher, Landschaftsschutz wäre erst in den letzten Jahren wichtig geworden.

Vor den Aufnahmebüros für die NSDAP hatten sich anfangs täglich endlose Schlangen gebildet. Das war den neuen Machthabern wohl unheimlich, denn am 1. April 1933 wurde ein Aufnahmestopp verhängt. Er schreibt viel darüber, wie sehr sich die Bevölkerung über die diejenigen lustig gemacht haben, die sich den Nazis plötzlich angebiedert hatten. Selbst die „Altnazis“ wollten mit den sogenannten „Märzgefallenen“ nichts zu tun haben.

Bin gespannt, was ich morgen entdecken werde.

Tag 3 – 3. August 2026: Große Überraschung!

Ich muss zugeben, dass ich ein ganz klein wenig enttäuscht war, dass meine Großmutter diesen Teil von ihrem Mann verfassen ließ. Ich meine, es ist ihr Buch. Warum bitteschön meint sie, dass sie nicht in der Lage ist, die politischen Verhältnisse angemessen zu schildern? Nichtsdestotrotz lese ich auch den Text meines Großvaters gern. Er hat die Sache ja auch teilweise aus der Sicht des Künstlers betrachtet. Wie mit den Werken umgegangen wurde, die die Nazis als „entartet“ bezeichnet hatten und wie sich die Künstler in jener Zeit positioniert hatten. Vieles ist allgemein bekannt, aber aus der Feder meines Großvaters und Stand siebziger Jahre wieder aufschlussreich.

Ich habe meinen Großvater Heinrich Engel immer als sehr bescheiden, klug und geistreich in Erinnerung. Ich hörte ihm sehr gern zu. Gut möglich, dass meine Großmutter einfach seiner Fähigkeit vertraute, die Zusammenhänge besonders treffend zu beschreiben.

Und dann … gab es eine große Überraschung. Ich war gerade mit meinen heutigen 10 Seiten fertig und wollte mir meine Aufgaben für morgen ansehen, da entdeckte ich sie: die altdeutsche Handschrift meiner Großmutter. Im ersten Moment dachte ich, hier wäre etwas durcheinandergeraten. Aber nein, es geht weiter mit dem 1. November 1933. Ich komme wohl doch noch zu meinem Zeitzeuginnenbericht über diese schlimme Zeit.

Tag 4 – 4. August 2026: Weiter geht’s – 1933

Mit diesen Texten hat ChatGPT weit mehr Probleme als mit der neueren Schrift der letzten Tage. Ich muss wesentlich mehr korrigieren und es dauert länger, bis eine Seite transkribiert ist. Aber ich bin ja froh über die Unterstützung. Das Korrekturlesen und Tüfteln über einzelnen Begriffen ist wesentlich komfortabler als das mühsame Entziffern ohne jede Unterstützung in der Vor-KI-Zeit.

Meine Großmutter schreibt über ihre schwierige Entscheidung für ein drittes Kind in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, über Unstimmigkeiten mit ihrer Dresdener Familie über die politischen Verhältnisse und über den Umgestaltungseifer der Nazis, die alle wichtigen Positionen mit Parteigenossen besetzen wollten – auch in der Malerinnung.

Tag 5 – 5. August 2026: Hechtwagen, was war das noch?

Ob ich meine Frequenz mit den 10 Seiten pro Tag durchhalte, erscheint mir gerade fraglich. ChatGPT braucht ewig, um so eine Seite zu entziffern und dann ist auch noch vieles falsch. Vielleicht versuche ich es doch noch mal mit einer speziellen Transkriptionssoftware. Momentan gebe ich ChatGPT immer noch meine Korrekturen in der Hoffnung, dass er daraus lernt. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte.

Inhaltlich ging es in dem heute transkribierten Text um eine Reise meiner Großmutter mit ihren beiden Jungs zu ihrer Familie nach Dresden. Anschließend fuhren sie gemeinsam mit ihren Eltern ins Erzgebirge. Meine Großmutter scheint ständig verreist zu sein, diesen Eindruck hatte ich schon bei meinen letzten Transkriptionsrunden. Aber das kann auch täuschen. Vielleicht hat sie ihre Reisen als spannender wahrgenommen als ihren Alltag und deshalb besonders viel darüber geschrieben.

Ein Begriff, mit dem ChatGPT überhaupt nicht klargekommen ist, lautet „Hechtwagen“. Ich konnte mich daran erinnern, dass mein „straßenbahnverrückter“ Bruder als Kind mal darüber gesprochen hat, und nun weiß ich auch, was das ist und woher er das hat.

Als Hechtwagen wurde ein Straßenbahntyp in Dresden bezeichnet, dessen Form an einen großen Fisch mit spitzem Maul erinnert. Seit heute weiß ich, dass dieser neue Typ 1930 in Dienst gestellt worden ist und dass mein Vater damals, er war 1933 fünf Jahre alt, unbedingt mit einem Hechtwagen fahren wollte. Das war für ihn das Spannendste an der ganzen Reise.

Da es die Hechtwagen in Dresden wohl 40 Jahre lang gab, dürfte mein Bruder sie nicht mehr kennengelernt haben, als meine Großeltern mit ihm in den siebziger Jahren zum „Straßenbahnurlaub“ nach Dresden gefahren sind (da gab es so viele Linien, die mein Bruder alle auswendig kannte). Fun Fact: Mein Bruder hat später an der TU Dresden Verkehrswesen studiert und arbeitet heute noch als Verkehrsbauingenieur.

Tag 6 – 6. August 2026: Eine Reise nach Dresden

Auch die heutigen 10 Seiten enthalten einen Reisebericht. Meine Großmutter war offenbar den gesamten Sommer in Dresden und Umgebung und besuchte nicht nur ihre Eltern und Schwestern, sondern auch viele andere Bekannte und Freunde.

Tag 7 – 7. August 2026: Familienausflüge mit Wassermühle

Auch heute habe ich wieder 10 Seiten transkribiert. Auch wenn ich täglich mindestens eine winzige Kleinigkeit in meinem Workflow ändere, um schneller voranzukommen, dauert es immer noch irre lange. Allein schon die Zeit, die ChatGPT benötigt, um eine einzelne Seite zu transkribieren. Und dann entdecke ich immer noch Fehler, die ich manuell korrigieren muss.

Für die Wartezeiten habe ich mir inzwischen kleine Aufgaben zurechtgelegt, damit das Warten nicht so nervt. Dennoch ist die Kombi mit ChatGPT momentan die effizienteste Vorgehensweise. Man möchte ja denken, dass die Wörter, an denen ChatGPT scheitert, für mich noch schwieriger zu entziffern sind. Doch das Gegenteil ist der Fall. Meistens jedenfalls. Wenn er an Wörtern zu knabbern hat, die ich einfach erkenne und er genau die mühelos entziffert, die für mich unverständlich sind – was will man mehr?


Inhaltlich ging es heute wieder um Ausflüge meiner Großmutter mit der Familie, inzwischen wieder zu Hause in Rostock. Oft beschreibt sie Ausflüge, die ich selbst auch aus meiner Kindheit kenne. Sie erzählt, wie sehr es ihren Kindern gefallen hat, also auch meinem Vater. Nun weiß ich auch, warum wir in meiner Kindheit so viele Ausflüge gemacht haben. Wir hatten mal eine Wassermühle an einem Bach im Hütter Wohld gebaut – genau das hatte meine Großmutter in ihrem Buch auch beschrieben.

Ehrlich gesagt fand ich solche Familienausflüge damals ziemlich uncool, weil die Familien der Nachbarskinder sowas nicht gemacht haben. Die anderen Kinder durften einfach draußen spielen, und das hätte ich mir auch gewünscht. Heute undenkbar. Natürlich finde ich es heute schade, dass ich die Ausflüge mit meiner Familie zu wenig wertgeschätzt habe.

Tag 8 – 8. August 2026: Unbehagilche Entwicklungen

Die heutigen Seiten haben etwas bestätigt, was ich schon vermutet hatte: Meine Großeltern hatten mit den Nazis nichts am Hut. Was könnte das besser beweisen als Texte, die nachweislich zu jener Zeit geschrieben wurden. Meine Großmutter schreibt über eine alljährliche Wanderung mit der Innung. In diesem Jahr – 1933 – war die Stimmung nicht schön. Es fehlten viele, vor allem die Älteren, die von den politischen Entwicklungen und den neuen Machthabern nichts hielten.

Über die Wahlen am 12. November 1933 schreibt sie, dass sie das Wahlergebnis – 93,5 % der abgegeben Stimmen für die NSDAP – mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis genommen hatte. Sie selbst hatten anders gewählt.

Tag 9 – 9. August 2026: Wieder eine Schreibpause

Nun gibt es einen Sprung ins Jahr 1940. Sie schreibt, dass sie mit drei Kindern so gefordert war, dass keine Zeit zum Schreiben blieb. Neben den Kindern hatte sie schließlich auch Aufgaben in der Firma und im Haushalt. Deshalb hat sie die Zeit in groben Zügen rückblickend beschrieben.


Mich hätte mal interessiert, wie man damals die Kleidung der Kinder sauber gehalten hat. Noch aus meiner Kindheit kann ich mich erinnern, wie meine Großmutter in der Waschküche in einem großen Kessel Wäsche gewaschen hat. Und an ihr Unverständnis, wenn wir – meine Mutter und ich – mal äußerten, „keine Zeit“ für irgendwas zu haben. Schließlich hatten wir ja eine Waschmaschine, das muss in ihren Augen eine enorme Zeitersparnis gewesen sein. Klar, war es auch. Und wenn ich mir vorstelle, wie viel Wäsche heute mit drei kleinen Kindern anfällt …

Tag 10 – 10. August 2026: Wieder eine Schreibpause

Die Schwester meiner Großmutter war in den dreißiger Jahren mit ihrem Mann nach Ostafrika, dem heutigen Tansania gegangen. Sie hatten dort Pflanzungen. Selbst hatten sie keine Kinder und deshalb hofften sie, einen ihrer Neffen als Nachfolger mit nach Afrika nehmen zu können. Mein Vater hätte seine Kindheit also durchaus auch in Afrika verbringen können – zumindest einige Jahre. Denn später, nach Ende der Kolonialzeit, mussten meine Großtante und ihr Mann Afrika wieder verlassen.


Was mir auffällt: Die Erziehungsmethoden waren damals ziemlich rabiat, wenn ich sie mit heutigen Maßstäben vergleiche. Meine Großmutter schreibt mit einer großen Selbstverständlichkeit darüber, wie sie ihren Kindern den Hintern versohlt … da wäre heute wohl längst das Jugendamt eingeschritten. Damals war das offenbar etwas, was man machen musste. Auch wenn man es nicht gern macht.

Fazit: Was nehme ich aus meiner August-Challenge mit?

Wird Ende August ergänzt.

Über mich

Astrid Engel

Hey, ich bin Astrid. Auf meinem Blog dreht sich alles um Struktur, Planung, Zeitmanagement und Organisation für Scannerpersönlichkeiten, Multitalente, Multipotentialite und kreative Chaoten. Nenne uns, wie du willst – für mich sind wir einfach „Scanner“.

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