„Gamification, das ist so etwas wie Zocken“ – oder doch nicht?

14. Mai 2024

„Gamification – ist das nicht einfach nur Zocken?“ – vielleicht ist das auch deine Assoziation, wenn du das Wort „Gamification“ hörst. Vielleicht denkst du dabei an Videospiele. Doch der Unterschied zwischen Gamification und Videospielen ist größer, als oft angenommen. In diesem Beitrag erfährst du, was Gamification vom Zocken unterscheidet, warum Gamification für mich als Scannerpersönlichkeit so interessant ist und wie auch du von diesem Konzept profitieren kannst.

Warum Gamification mehr ist als „Zocken“

Bis auf eine Phase in den frühen Neunzigerjahren, als ich unbedingt einen Game Boy haben musste und „Tetris-süchtig“ war, haben mich Videospiele nie gereizt. Mag sein, dass ich eines Tages die Faszination an Videospielen entdecke, doch bisher ist das nicht der Fall. Ehrlich gesagt, das einzige Spiel, dessen Regeln ich aktuell kenne, ist Rommee – so viel zu meiner Spielfreude.

Woher kommt also mein Faible für Gamification?

Seit jeher treibt mich der Wunsch an, so produktiv wie möglich zu sein. Ich habe stets mehr Ideen und Pläne als Zeit, sie umzusetzen. Ich möchte kreieren, erschaffen und produzieren. Unterhaltung steht für mich weniger im Fokus. Nicht, weil ich es nicht mag, sondern weil ich meine Zeit lieber für meine persönlichen Projekte einsetze. An Gesellschaftsspielen beteilige ich mich deshalb nur gelegentlich, weil ich keine Spielverderberin sein will. Zu Videospielen habe ich noch weniger Zugang.

Ich spiele nicht, dafür gestalte ich mein Leben selbst als Spiel

Doch auch wenn ich die Faszination von Videospielen nicht nachvollziehen kann, weiß ich, dass sie bei anderen Menschen sehr beliebt sind. Und wenn Zeit für mich keine Rolle spielen würde, wer weiß, ob es mir nicht auch so gehen würde?

Stattdessen genieße ich es, mein Leben selbst zum Spiel zu machen – so erkläre ich mir meine Begeisterung für alles, was gamifiziert ist. Für mich bedeutet Gamification Motivation pur: Sie unterstützt meinen Produktivitätsdrang, macht weniger spannende Dinge interessanter und hilft mir, an meinen Themen dranzubleiben.

Zocken, was ist das überhaupt?

Zunächst sollten wir klären, was Zocken bedeutet. Für mich ist es eine umgangssprachliche Bezeichnung für jede Art von Spielen – Unterhaltungsspiele und auch Glücksspiele.

Zocken konzentriert sich auf Spaß und Amüsement, ohne ein bestimmtes Ziel oder eine Absicht, außer der Freude am Spielen selbst. Es geht darum, in virtuellen Welten Abenteuer zu erleben, Geschichten nachzugehen oder Herausforderungen zu meistern – ohne direkten Einfluss auf die Realität außerhalb des Spiels.

Zocken verbindet Menschen mit Gleichgesinnten. Studien zufolge fördert es die kognitive Leistung. Zocken soll demnach positive Effekte auf das Gehirn und auch auf das Verhalten gegenüber anderen Menschen haben. Andere Studien kommen zu anderen Ergebnissen.

Wie auch immer: Mir ist bewusst, dass das Zocken viele Menschen ausgesprochen glücklich macht, auch wenn ich diese Begeisterung nicht teile.

Worum geht es bei Gamification?

Unter Gamification versteht man die Integration von spielähnlichen Elementen in nicht-spielbezogene Aktivitäten, um Motivation und Engagement zu fördern. Es geht darum, Alltagsaufgaben oder -aktivitäten spielerischer zu gestalten, um Menschen dazu zu motivieren, bestimmte Ziele zu erreichen oder um bestimmte Verhaltensweisen zu fördern.

In meinem Blogartikel Was ist Gamification? 7 spannende Ideen für Scannerpersönlichkeiten! erläutere ich die Entstehung, Entwicklung und die Vor- und Nachteile von Gamification noch genauer. Außerdem zeige ich dir, wie gamifizierte Selbstentwicklung funktioniert, speziell für Scannerpersönlichkeiten.

10 Gamification-Aspekte, die uns im Alltag begleiten

Du siehst, Gamification reicht weit über Videospiele hinaus und kann unsere Produktivität und unser Engagement in vielen Lebensbereichen steigern. Hier sind zehn Gründe, warum Gamification kein „Zockerthema“ ist, sondern für jeden von uns im Alltag nützlich sein kann:

  1. Produktivitätssteigerung: Gamification setzt auf Punkte, Levels und Belohnungen zur Motivationsförderung. Monotone Aufgaben werden so interessanter gestaltet.
  2. Verhaltensänderung: Gamifizierte Systeme belohnen gewünschte Verhaltensweisen und unterstützen gesündere oder produktivere Gewohnheiten.
  3. Zielsetzung: So wie es in jedem Spiel klare Regeln und Ziele gibt, können wir das auch auf unser reales Leben übertragen, um eigene Ziele zu setzen und zu verfolgen.
  4. Feedbackschleifen: Schnelles, direktes Feedback in Spielen hilft, die eigene Leistung zu verstehen und verbessern. Gamification bietet ähnliches Feedback für eine kontinuierliche Selbstverbesserung.
  5. Engagement: Spielerische Aspekte erhöhen das Engagement bei Aufgaben. Das ist besonders für Personen mit vielen Interessen hilfreich, da auf diese Weise die Aufmerksamkeit aufrechterhalten wird.
  6. Lernförderung: Gamification fördert das Lernen durch Spaß und Interaktion im Lernprozess, was hilft, das Gelernte besser abzuspeichern.
  7. Stressreduktion: Spiele bieten eine Flucht aus dem Alltagsstress. Gamifizierte Elemente in Alltagsaufgaben haben ähnliche stressreduzierende Effekte.
  8. Zusammenarbeit und Wettbewerb: Gamifizierte Systeme fördern Teamarbeit und Wettbewerb – das sorgt für Zusammenhalt und bessere Ergebnisse.
  9. Anpassungsfähigkeit: Gamification ist vielseitig und an verschiedene Kontexte und Bedürfnisse anpassbar, was es zu einem flexiblen Werkzeug in verschiedenen Lebensbereichen macht.
  10. Erreichbarkeit und Inklusivität: Die meisten gamifizierten Apps und Systeme sind leicht zugänglich und von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Fähigkeiten nutzbar, das macht sie universell einsetzbar.

Wie können wir Scannerpersönlichkeiten von Gamification profitieren?

Für einige Herausforderungen unserer Scannerpersönlichkeit halte ich Gamification für die ideale Lösung:

  1. Abwechslung: Wir schätzen Vielfalt in unseren Aktivitäten. Gamification kann Routineaufgaben mit Spielelementen wie Missionen oder Storylines aufpeppen und unser Interesse aufrecht erhalten.
  2. Visualisierung von Fortschritt: Viele Scanner haben Schwierigkeiten, den Überblick über ihre Projekte zu behalten. Gamifizierte Apps visualisieren Fortschritt und Erfolge und helfen, Motivation und Orientierung zu bewahren.
  3. Kurzzeitige Erfolgserlebnisse: Schnelle Belohnungen durch Punkte, Badges oder Levels können Scannerpersönlichkeiten dazu motivieren, auch langfristige Projekte fortzusetzen.
  4. Flexibilität in der Zielsetzung: Die Möglichkeit, Ziele flexibel und individuell anzupassen, kommt uns entgegen, da wir oft unsere Interessen und Ziele ändern.
  5. Strukturierungshilfe: Klare, spielbasierte Aufgaben und Ziele erleichtern die Strukturierung unserer zahlreichen Vorhaben.
  6. Experimentierfreude: Gamification fördert unsere Experimentierfreude und ermutigt uns, ohne große Risiken Neues zu erkunden.
  7. Mindset-Wechsel: Eine spielerische Herangehensweise reduziert den Druck und lässt Aufgaben und Projekte weniger als Pflicht und mehr als Spiel erscheinen – weniger Stress, mehr Kreativität!
  8. Soziale Interaktion: Viele gamifizierte Systeme bieten Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen, was uns vielseitig interessierten Scannerpersönlichkeiten den Austausch mit Gleichgesinnten ermöglicht.

Mit Gamification Ziele erreichen: So funktioniert’s

In welchen Bereichen kann dich Gamification besonders unterstützen, wenn du deine Vielseitigkeit und Kreativität ausleben – zugleich aber auch Struktur und Fortschritt im Blick behalten möchtest? Hier sind einige Anwendungsbeispiele:

Zeitmanagement

Gamifizierte Apps können den Überblick über verschiedene Projekte erleichtern. Timer, Punktesysteme für erledigte Aufgaben und virtuelle Belohnungen für das Einhalten von Deadlines sind motivierend.

Beispiel: Die App Forest lässt dich virtuelle Bäume pflanzen, sobald du für eine bestimmte Zeit konzentriert gearbeitet hast. Sind Aufgaben erfolgreich abgeschlossen, wachsen die Bäume. Als zusätzliche Belohnung gibt es neue Baumsorten oder Hintergrundbilder.

Lernen und Bildung

Plattformen, die das Lernen mit Hilfe von Quizspielen, Challenges und Levelaufstiegen gamifizieren, passen gut zu Scannern mit vielseitigen Interessen. Auf diese Weise bleibt Lernen dynamisch und spannend.

Beispiel: Duolingo fördert das Lernen neuer Sprachen durch Gamification mit Punkten, Levels und Belohnungen.

Fitness und Gesundheit

Gamifizierte Fitness-Apps zählen Schritte, tracken Übungsfortschritte und vergeben virtuelle Medaillen. So wird Sport und Bewegung zum spielerischen Erlebnis.

Beispiel: Zombies, Run! integriert Videospiel-Elemente ins Lauftraining. Dabei müssen die Nutzer vor Zombies fliehen und Aufgaben erledigen. Was Tester dabei erlebt haben, kannst du in diesem Artikel lesen: Zombie, Run! & Co im Test – Diese Apps lehren Sie das Fürchten

Kreative Projekte

Apps, die kreative Prozesse wie Schreiben oder Zeichnen gamifizieren, bieten Struktur und Anreize für regelmäßige kreative Tätigkeiten. Tägliche Challenges oder Wettbewerbe ermuntern dazu, neue Werke zu erschaffen.

Beispiel: Die App Procreate für digitales Zeichnen beinhaltet verschiedene Lernfunktionen und Werkzeuge, aber auch Community-Challenges und Kreativ-Wettbewerbe.

Finanzmanagement

Gamifizierte Finanzmanagement-Apps erleichtern den Überblick über Einnahmen und Ausgaben. Belohnungen für das Erreichen von Sparzielen oder das Einhalten eines Budgets motivieren zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld.

Beispiel: Eine gamifizierte Finanz-App wie „Qapital“ belohnt dich für das Erreichen deiner Sparziele mit virtuellen Belohnungen und Challenges. So kannst du finanzielle Ziele erreichen und langfristige Spargewohnheiten entwickeln.

Selbstverbesserung und persönliche Entwicklung

Plattformen, die persönliche Ziele wie das Lesen von Büchern oder das Erlernen einer neuen Sprache in Levels und Erfolge unterteilen, sprechen wissbegierige Scanner besonders an.

Beispiel: Auf der Plattform Goodreads kannst du dir Leseziele setzen, Bücherregale sammeln und Meilensteine erreichen. So wirst du motiviert, neue Bücher zu entdecken und insgesamt mehr zu lesen.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Gamifizierte Apps, die Nutzer für umweltfreundliches Verhalten wie Recycling, Energiesparen oder nachhaltigen Konsum belohnen, können besonders für Scanner interessant sein, die sich für Umweltthemen engagieren.

Beispiel: Eine gamifizierte App wie Ecosia belohnt dich für die Verwendung ihrer Suchmaschine mit virtuellen Bäumen, die im realen Leben gepflanzt werden. So kannst du aktiv zum Umweltschutz beitragen und Fortschritte verfolgen.

Soziale Netzwerke und Community-Building

In sozialen Netzwerken und beim Community-Aufbau fördern gamifizierte Elemente wie Abzeichen, Punkte oder Leaderboards das Engagement in Communities und motivieren Scanner, aktiv zu bleiben und sich auszutauschen.

Beispiel: Die Plattform Reddit verwendet gamifizierte Elemente wie Karma-Punkte und Auszeichnungen zur Förderung der Community-Interaktion. Nutzer erhalten virtuelle Belohnungen durch das Teilen von Inhalten und Kommentieren von Beiträgen.

Wie du siehst, hat Gamification nur auf den ersten Blick etwas mit “Zocken” zu tun. Im Gegenteil! Vielmehr unterstützt es uns Scannerpersönlichkeiten, uns in verschiedenen Bereichen zu engagieren, ständig Neues zu lernen und sorgt gleichzeitig dafür, dass wir am Ball bleiben.

Kritik an Gamification

Eins muss uns allerdings bewusst sein: Gamification hat nicht nur Vorteile. Studien deuten darauf hin, dass der anfängliche Motivationsschub durch Gamification im Laufe der Zeit nachlassen kann. Diese Kritikpunkte könnten relevant für dich sein:

Ständiger Wechsel zwischen Systemen überfordert und lenkt ab: Zu viel Gamification kann auch oberflächlich machen. Wer immer auf die Suche nach neuen coolen Apps ist und alles ausprobieren muss, was neu entsteht, könnte den eigentlichen Zweck, das Unterstützen der eigenen Ziele, aus den Augen verlieren.

Frustration durch ständigen Vergleich mit anderen: Communities wirken oft motivationssteigernd. Dennoch besteht die Gefahr, dass du dich im Vergleich mit anderen minderwertig fühlst, wenn du deine Ziele nicht so schnell erreichst wie andere. Das kann schlimmstenfalls zu einem Rückgang deiner Motivation führen.

Unrealistische Ziele: Keine Frage, ohne klare Ziele kommst du nicht voran. Doch wenn du dank deiner Gamification-Anwendung unrealistische Erwartungen an dich selbst entwickelst und dich zu stark an externe Belohnungen klammerst, kann das auch das Gegenteil bewirken.

Abhängigkeit von Feedback: Während regelmäßiges Feedback motivationssteigernd wirkt, besteht gleichzeitig die Gefahr, dass du zu abhängig von externer Bestätigung wirst und dein eigenes Selbstwertgefühl davon abhängig machst. Ein Mangel an sofortiger Belohnung kann dann zu Enttäuschung und einem Rückgang der Motivation führen.

Fehlende Kontinuität durch zu viel Abwechslung: Obwohl Flexibilität wichtig ist, um langfristiges Engagement aufrechtzuerhalten, besteht die Gefahr, dass Nutzer zu stark von kurzfristigen Zielen und Belohnungen getrieben werden und langfristige Ziele aus den Augen verlieren. Ein ständiges Streben nach neuen Herausforderungen kann zu einem Mangel an Ausdauer führen und langfristige Fortschritte behindern.

Diese langfristigen Risiken solltest du kennen, damit du ihnen von vornherein entgegenwirken kannst.

Über mich

Astrid Engel

Hey, ich bin Astrid. Auf meinem Blog dreht sich alles um Struktur, Planung, Zeitmanagement und Organisation für Scannerpersönlichkeiten, Multitalente, Multipotentialite und kreative Chaoten. Nenne uns, wie du willst – für mich sind wir einfach „Scanner“.

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4 Kommentare

  1. Danke für die Aufklärung über Gamification, Astrid.
    Bisher hatte der Begriff für mich auch nur einen Bezug zum Zocken. Dabei habe ich jahrzehntelang gamification in meinen Trainings und Workshops eingesetzt – und es geliebt – nur nicht gewusst, dass es so heißt! (Wahrscheinlich gab es den Begriff zu der Zeit noch gar nicht 😂) Grade für Teamworkshops und Beobachtung von Verhaltensmustern war das „Spielen“ sehr wertvoll.
    Und bei der Verwendung von Apps, um an einer Sache dran zu bleiben, erkenne ich mich total wieder. Es gibt Zeiten, in denen erlege ich mir ein striktes „neue Apps & Functions – Verbot“ auf. Es kann auch hervorragend ablenken… Ich werde gleich mal einige deiner Empfehlungen ausprobieren, Viele Grüße Anette

    Antworten
    • Liebe Anette,
      stimmt, ich höre immer wieder, dass der Begriff Gamification längst nicht so bekannt ist wie ich bisher dachte. Aber was damit gemeint ist, das lieben erstaunlich viele …
      Diese selbst auferlegten Verbote kenne ich übrigens auch bestens – und sie sind gar nicht so leicht einzuhalten 🫣😊
      Liebe Grüße
      Astrid

      Antworten
  2. Hallo Astrid,
    toll, dass Du den Begriff so ausführlich erklärt hast. Ich schrieb ja neulich schon, dass mich das interessiert. Für mich sind da durchaus Gedankenanstöße bei. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass als Leitmotiv für mein Tun zu übernehmen. Aber wenn ich Deinen Artikel so lese – da finde ich Gemeinsamkeiten, die ich gar nicht hinter Gamification vermutet hätte. Ecosia z.b. benutze ich auch als Suchmaschine.
    Liebe Grüße
    Britta

    Antworten
    • Hallo Britta,
      vielen Dank, ich denke auch nicht dass es ein Leitmotiv sein sollte. Ich möchte die Sache immer noch selbst in der Hand haben und nicht zum Gamification-Opfer werden. Interessanter Gedanke übrigens: Kann man auch Gamification-süchtig werden? Sollte ich mal erforschen.
      Liebe Grüße
      Astrid

      Antworten

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