Lazy Productivity klingt erstmal ziemlich gut, oder? Kein früher Wecker, keine ellenlangen To-do-Listen, kein Stress. Stattdessen ein entspannter Start in den Tag, ein bisschen Journaling, ein bisschen Deep Work, zwischendurch Kaffee – und am Ende steht trotzdem ein Haken an den wichtigsten Aufgaben. Klingt wie ein Traum. Und genau so wird es gerade überall verkauft – vor allem auf Instagram und TikTok.
Wenn du Scanner bist, also viele Interessen hast, ständig neue Ideen entwickelst und dich schwer auf nur eine Sache konzentrieren kann, fühlt sich Lazy Productivity fast wie eine Erlösung an. Endlich ein Konzept, das sagt: „Mach weniger.“ „Lass es locker angehen.“ „Vertrau auf deinen Flow.“
Ich kann total nachvollziehen, warum das so viele anspricht. Mir geht’s genauso. Und – mein Alltag sieht nicht so aus. Mache ich etwas falsch?
Lazy Productivity – warum der Trend so verlockend ist
Gerade Scanner sehnen sich nach mehr Leichtigkeit im Alltag. Nach einem Arbeitsstil, der sie nicht einengt, sondern mit ihrer kreativen, vielschichtigen Art funktioniert. Nach einem System, das nicht von außen vorgibt, wie ihr Tag aussehen muss – sondern Raum lässt für Spontaneität, für neue Ideen, für Phasen der Ruhe.
Lazy Productivity verspricht genau das: Produktivität ohne Druck. Erfolg ohne Stress.
Aber – und das ist der Punkt, über den so selten gesprochen wird – dieser Ansatz funktioniert nur unter einer Bedingung: Du musst genau wissen, was du willst. Sonst wird „locker lassen“ ganz schnell zu „nichts geht mehr“.
Der Haken an Lazy Productivity – besonders für Scanner
So charmant der Gedanke ist, einfach ein bisschen weniger zu machen und dabei trotzdem alles Wichtige zu schaffen – für Scannerpersönlichkeiten kann das richtig schwierig werden. Aus meiner Sicht gibt es gleich mehrere Stolpersteine:
#1 – Gefährliche “Erlaubnis”
Lazy Productivity setzt voraus, dass du zielgerichtet vorgehst. Und zwar nicht irgendwann mal grob, sondern jetzt. Heute. In dieser Woche. Und genau da liegt das Problem: Scanner haben oft zig Ideen gleichzeitig im Kopf. Ein neues Projekt? Her damit. Eine Weiterbildung? Klingt spannend. Ein neues Hobby? Warum nicht.
Wenn dann der Druck rausgenommen wird – also keine klaren Aufgaben, keine festen Ziele – passiert oft gar nichts mehr. Statt produktiver zu werden, verlierst du dich in Gedanken. Du springst von einer Idee zur nächsten. Du fängst Dinge an, bringst sie aber nicht zu Ende. Nicht aus Faulheit, sondern weil du dich nicht entscheiden kannst. Oder weil du Angst hast, dich zu sehr festzulegen.
Und jetzt hast du ja endlich die Erlaubnis dazu. Okay, wenn du einfach nur entspannen willst. Wenn du produktiv sein willst, wird das nicht funktionieren.
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#2 – Kennst du wirklich die ganze Wahrheit?
Was zusätzlich verunsichern kann: Die Menschen, die Lazy Productivity auf Social Media feiern, zeigen oft nur die schönen Seiten – aber nicht, wie ihr Alltag wirklich aussieht. Man weiß selten, ob sie mit ihrem Ansatz tatsächlich ihren Lebensunterhalt bestreiten können oder ob sie andere Einkommensquellen haben. Vielleicht haben sie geerbt, leben in einer Partnerschaft mit finanziellem Rückhalt oder verdienen auf ganz anderen Wegen.
Wenn du dich mit ihnen vergleichst und denkst: „Ich arbeite viel mehr und komme trotzdem kaum hinterher“, dann ist das nicht nur unfair – sondern auch gefährlich für dein Selbstwertgefühl.
#3 – Warum der Trend zur Arbeitsvermeidung problematisch ist
Was mich an diesem Trend auch stört: Er stellt Arbeit generell als etwas Negatives dar. So, als wäre „so wenig wie möglich arbeiten“ das höchste Ziel. Aber ist das wirklich ein erstrebenswertes Ideal?
Ich finde nicht.
Denn Arbeit kann auch erfüllend sein. Sie kann kreativ machen, Klarheit geben, Energie freisetzen. Sie muss nicht stressig oder auslaugend sein – wenn sie sinnvoll gestaltet ist. Gerade für Scanner ist Arbeit oft mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie ist Ausdruck von Persönlichkeit, ein Weg, Ideen umzusetzen und Dinge zu bewegen.
Natürlich ist es sinnvoll, sich regelmäßig zu fragen: Was ist wirklich wichtig? Wo kann ich effizienter sein? Wo verschwende ich Zeit und Energie auf Dinge, die mich nicht weiterbringen?
Nicht umsonst ist die Metapher vom Holzfäller mit der stumpfen Säge schon seit langer Zeit eine meiner Lieblingsgeschichten.
Selbstcoaching: 3 Metaphern, die mein Leben geprägt haben
Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass Arbeit an sich etwas ist, das man minimieren muss – das finde ich fragwürdig. Es ist ein Unterschied, ob du bewusster arbeitest – oder ob du Arbeit grundsätzlich vermeidest.
Ich glaube: Es geht nicht darum, so wenig wie möglich zu arbeiten. Sondern so zu arbeiten, dass es sich für dich richtig anfühlt.
Was Scanner wirklich brauchen, um entspannt produktiv zu sein
Was Scanner nicht brauchen: noch mehr Tipps, wie man To-do-Listen effizienter abarbeitet. Oder starre Systeme, die sie in eine feste Tagesstruktur pressen. Das sorgt meist nur dafür, dass sie frustriert aussteigen – oder sich selbst das Gefühl geben, mal wieder gescheitert zu sein.
Was stattdessen hilft? Ein flexibler Rahmen, der Struktur bietet – aber keine Vorschriften macht.
Drei Dinge haben sich bei mir und vielen anderen Scannerpersönlichkeiten als besonders hilfreich erwiesen:
1. Fokus in Etappen statt alles auf einmal.
Du musst nicht alle Ideen gleichzeitig angehen. Im Gegenteil: Wenn du deine Energie auf eine Sache bündelst, kommst du viel weiter. Was gut funktioniert: Dir einen Zeitraum setzen – z. B. 30 Tage – und in dieser Zeit nur an einem Thema bleiben. Danach ist wieder Raum für Neues.
2. Verbindlichkeit mit Spielraum.
Scanner brauchen Flexibilität, ja – aber auch eine gewisse Verbindlichkeit, sonst verlieren sie sich. Eine klare Entscheidung wie: „Im September arbeite ich an meinem Blog.“ hilft enorm. Challenges sind dafür super geeignet: Sie bieten ein Ziel, aber keine starren Vorgaben.
3. Reflexion statt Selbstkritik.
Wenn mal etwas nicht klappt, hilft keine Selbstanklage, sondern ein ehrlicher Rückblick: Was war los? Was hat nicht gepasst? Was brauchst du beim nächsten Mal? Das stärkt deine Selbstwahrnehmung – und motiviert dich, weiterzumachen.
Du siehst: Produktivität muss nicht anstrengend sein. Aber sie braucht eine Richtung. Sonst wird aus kreativer Freiheit schnell Stillstand.
So kann ein System für Scanner aussehen – konkret & machbar
Du brauchst kein perfekt durchgetaktetes System. Aber du brauchst etwas, das dich unterstützt, den Fokus zu halten – ohne dich einzuschränken. Genau deshalb funktionieren DIY-Challenges so gut für Scannerpersönlichkeiten.
Sie bieten dir Orientierung, aber lassen dir gleichzeitig genügend Spielraum..
Was ist damit gemeint?
Eine DIY-Challenge ist keine klassische Challenge mit festen Tagesaufgaben und Erwartungsdruck. Es geht nicht darum, „durchzuhalten“ – sondern darum, einen Rahmen zu schaffen, der dich trägt. Du entscheidest das Thema, den Zeitraum und wie intensiv du dich damit beschäftigen willst.
Beispiel: Du willst endlich regelmäßig schreiben. Dann mach dir daraus eine 30-Tage-Schreib-Challenge. Kein tägliches Ziel, keine fixe Uhrzeit. Nur dein Commitment: Diesen Monat hat das Thema Priorität. Vielleicht schreibst du jeden Tag zehn Minuten, vielleicht zwei Mal pro Woche einen längeren Text. Beides ist okay – Hauptsache, du bleibst im Thema.
Warum das funktioniert:
- Du schaffst dir Fokus, ohne dich einzuengen.
- Du entwickelst Routinen, ohne starren Plan.
- Du lernst, dich selbst besser zu steuern – mit weniger Druck.
Und das Beste: Du kannst jederzeit umschwenken. Wenn du merkst, dass etwas nicht mehr passt, passt du die Challenge an. Du brauchst niemandes Erlaubnis. Nur deinen eigenen roten Faden.
Deine Challenge hältst du sowieso nicht durch? Das kannst du ändern!
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Ich habe selbst lange nach einer Methode gesucht, die zu meinem Scanner-Gehirn passt. Diese Art zu arbeiten ist das erste, was sich nicht wie ein Korsett anfühlt – sondern wie ein Kompass.
Und übrigens – dieser Blogartikel ist auch während einer 30-Tage-Schreib-Challenge entstanden.
Produktiv sein – aber bitte auf deine Art
Lazy Productivity klingt verlockend – vor allem für Scannerpersönlichkeiten, die sich nach einem entspannteren Alltag sehnen. Aber in der Realität zeigt sich schnell: Einfach „weniger machen“ bringt nicht automatisch mehr Fokus. Ohne Klarheit und Struktur wird aus der gewünschten Leichtigkeit schnell Frust.
Wenn du dich regelmäßig verzettelst, vor lauter Optionen nicht weißt, wo du anfangen sollst, oder Projekte beginnst, die dann im Sande verlaufen – dann brauchst du mehr als nur „mach mal locker“. Du brauchst einen Rahmen, der dich nicht einengt, sondern dir Halt gibt.
Als Scanner brauchst du kein starres System. Aber du brauchst eine Orientierung. Eine Struktur, die du selbst gestalten kannst – flexibel, spielerisch, aber mit Richtung. Genau hier setzen DIY-Challenges an. Sie bieten dir die Möglichkeit, dich auf ein Thema zu konzentrieren, ohne dich festzulegen. Sie helfen dir, dranzubleiben, ohne dich einzuengen.
Ich glaube nicht an „one size fits all“. Aber ich glaube daran, dass Scannerproduktivität möglich ist – wenn man aufhört, sich an die falschen Konzepte zu klammern.
Deshalb habe ich ein kleines Tool für dich entwickelt, das dir den Einstieg leichter macht:
Mein 0-Euro-Minikurs „Diesmal bleibe ich dran!“ zeigt dir, wie du mit einer einfachen 30-Tage-DIY-Challenge startest – ganz ohne Druck und starre Regeln.
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Probier’s aus. Denn ja: Du kannst entspannt produktiv sein. Aber eben auf deine Art.
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Die 10 wichtigsten Key Takeaways
- Lazy Productivity klingt gut, funktioniert aber nicht automatisch.
- Scanner brauchen Struktur – aber bitte ohne Druck.
- Ohne Klarheit bringt dir „weniger machen“ gar nichts.
- Fokus auf ein Thema pro Zeitraum hilft enorm.
- DIY-Challenges sind flexibel und selbstbestimmt.
- Verbindlichkeit ist wichtig – aber spielerisch, nicht streng.
- Reflexion statt Selbstkritik bringt dich weiter.
- Scanner müssen nicht alles gleichzeitig machen.
- Kleine Schritte führen langfristig zum Ziel.
- Du brauchst kein neues Ich – nur ein neues System.
3 Tipps für Scanner, die produktiver werden wollen
- Setz dir einen Fokusmonat: Entscheide dich für ein Thema und bleib bewusst dabei.
- Nutze Challenges als Rahmen: Ohne Druck, aber mit klarem Ziel.
- Schreib wöchentlich auf, was du geschafft hast: Das stärkt deine Motivation – und zeigt, dass du vorankommst.
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