Ich liebe gute Inhalte. Artikel, Podcast-Folgen, Buch-Highlights, kleine Aha-Momente zwischendurch. Und lange Zeit dachte ich: Wenn ich das alles nur sorgfältig speichere, dann habe ich es irgendwie.
Spoiler: Ich hatte es nicht. Was ich hatte, war ein wachsender Berg aus Links, Screenshots und Notizen. Und das nagende Gefühl, dass da irgendwo wichtige Dinge schlummern, die ich irgendwann noch brauchen werde.
Das Gemeine an digitalem Chaos: Es nervt dich nicht so offen wie ein Papierstapel auf dem Schreibtisch. In Notion kann so ein Stapel still und leise wachsen, bis du irgendwann draufschaust und denkst: Wann hab ich das denn alles gesammelt? Wer war das? Und dann machst du lieber einfach noch einen neuen Ordner auf.
Heute versuche ich etwas anderes. JOMO statt FOMO.
Was ich damit meine (und was nicht)
JOMO – Joy of Missing Out – ist die Freude, etwas zu verpassen. Das Gegenteil von FOMO, der Angst, etwas zu verpassen. Klingt erstmal komisch. Warum sollte ich mich freuen, wenn ich etwas verpasse?
Kennst du dieses Gefühl, wenn du einen Artikel siehst und sofort denkst: Den muss ich lesen. Der könnte wichtig sein. Was, wenn ich da etwas verpasse? Das ist FOMO – Fear of Missing Out. Die Angst, dass irgendwo gerade etwas Wichtiges passiert, das du nicht mitbekommst.
JOMO ist das Gegenteil. Joy of Missing Out – die Gelassenheit zu sagen: Ich verpasse das gerade. Und das ist okay.
Ich arbeite ehrlich gesagt noch an meinem JOMO-Mindset. Aber das Ziel ist klar: nicht mehr das Bedürfnis spüren, alles festhalten zu müssen, nur weil es gerade interessant klingt.
Konkret bedeutet das für mich:
Ich muss nicht jede gute Idee retten, nur weil sie mir begegnet. Ich darf Dinge verpassen, ohne dass mein ganzes System zusammenbricht. Und ich sammle nicht mehr, um zu sammeln sondern nur noch dann, wenn ich eine konkrete Idee habe, was daraus entstehen soll.
Ein Gedanke, der mir helfen soll, wenn ich doch wieder in FOMO verfallen will: Die wirklich wichtigen Dinge kommen wieder. Und der Rest war vielleicht gar nicht so wichtig, wie er sich in diesem Moment angefühlt hat. Hm … ist das so???
Was auf jeden Fall stimmt, ist dieser simple Satz, und der hat bei mir am meisten verändert:
Wissen entsteht, wenn ich Informationen miteinander verknüpfe – nicht wenn ich sie ablege.
Das Problem am Sammeln: Es fühlt sich so verdammt gut an
Sammeln gibt mir schnell das Gefühl, produktiv zu sein. Ein Klick, ein Clip, ein Copy-Paste. Fertig.
Aber in Wahrheit ist das meistens nur Pseudo-Fortschritt. Ich habe etwas gespeichert, aber nicht verstanden. Ich habe etwas markiert, aber keine Entscheidung getroffen. Ich habe etwas sortiert, aber nie genutzt.
Und wenn ich dann wirklich etwas brauche, passiert meistens eins von zwei Dingen: Ich finde es nicht schnell genug, obwohl es „irgendwo da sein müsste“. Oder ich finde es, und merke, dass ich es erst komplett lesen, durchdenken und umsetzen müsste, um damit irgendwas anzufangen.
An diesem Punkt habe ich dann meistens komplett die Lust verloren. Kennst du das?
Mein neuer JOMO-Workflow in 3 Schritten
Ich habe gemerkt: Ich brauche keine zusätzlichen Kategorien. Was ich brauche, ist ein klarer Prozess, der aus Input irgendwann tatsächlich Output macht.
Schritt 1: Erst aus dem Kopf raus
Bevor ich in meinen Notizen herumscrolle, mache ich kurz das Gegenteil: Ich schreibe auf, was ich schon weiß, was ich gerade denke, was ich wirklich brauche.
Das ist wie ein inneres Suchlicht. Danach erkenne ich viel besser, welche meiner gespeicherten Sachen überhaupt gerade relevant sind. Ich frage mich: Was ist mein Thema oder Problem gerade? Was will ich am Ende haben – einen Text, eine Entscheidung, eine Idee? Was wäre ein nächster kleiner Schritt, der mir wirklich hilft?
Schritt 2: Dann Notizen befragen, nicht auffüllen
Erst jetzt gehe ich in meine vorhandenen Notizen. Nicht auf der Suche nach noch mehr Input, sondern nach ganz konkreten Dingen: einem Zitat, das mein Argument stützt. Einem Beispiel, das ich schon erlebt habe. Einem Aha-Moment, den ich schon notiert habe.
Das ist der Moment, in dem aus dem Sammelsurium langsam Material wird. Ich versuche dabei, eher zu verlinken als zu taggen – Links schaffen Kontext, Tags sind nur Etiketten.
Schritt 3: Erst dann KI, und nur für das, was ich wirklich brauche
Das war für mich der Wendepunkt: erst Braindump, dann Notizen, erst dann KI.
Wenn ich zu früh frage, bekomme ich glatte, allgemeine Antworten. Wenn ich KI nach meinen eigenen Gedanken und Notizen nutze, wird sie zur Verstärkerin – für Struktur, Formulierungen, Beispiele, Überschriften.
Der Trick, der alles zusammenhält: Übersichtsnotizen
Wenn ich merke, dass ein Thema bei mir immer wieder auftaucht, erstelle ich eine Übersichtsnotiz. Kein perfektes Wiki. Eher ein kurzes, kuratiertes Inhaltsverzeichnis, das sich verändern darf.
Dort passiert die eigentliche Magie: Ich sehe Zusammenhänge, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Ich kann kurz festhalten, warum ich etwas überhaupt gespeichert habe. Und ich finde schneller wieder rein, ohne dass ich den ganzen Stapel nochmal durcharbeiten muss.
Mini-Challenge, wenn du auch viele Informationen sammelst
Nimm ein Thema, das dich gerade beschäftigt. Mach 10 Minuten Braindump. Also einfach drauflosschreiben, was du schon weißt. Suche dann in deinen Notizen nach genau drei Dingen: einem Satz, der es auf den Punkt bringt. Einem Beispiel. Einem nächsten Schritt. Erstelle daraus eine kleine Übersichtsnotiz mit diesen drei Links.
Fertig. Du hast gerade Wissen gebaut, nicht nur gespeichert.
Wo das Problem mit Informationen wirklich liegt
Ich glaube nicht, dass wir ein Problem mit zu wenig Informationen haben. Wir haben ein Problem damit, sie zu verstehen, zu verarbeiten und daraus irgendetwas Eigenes zu machen.
JOMO bedeutet für mich in diesem Zusammenhang: Ich muss nicht alles behalten, um klug zu handeln. Ich behalte, was ich wirklich benutze und lasse den Rest einfach weiterziehen.
Was sammelst du gerade und wobei wünschst du dir mehr JOMO: bei Links, Notizen, Büchern oder Ideen?
Dieser Blogbeitrag ist an Tag 10 der Blogparade im Februar 2026 entstanden.

Über mich. Ich bin Astrid – Ingenieurin, Scannerin, chronische Ideensammlerin. Ich hab tausend Interessen und zu wenig Zeit für alle. Deshalb schreibe ich für Menschen wie mich: Die viel vorhaben, sich aber nicht verzetteln wollen. Auf meinem Blog zeige ich, wie kleine Challenges und klare Routinen helfen, Dinge umzusetzen, ohne den Spaß am Ausprobieren zu verlieren. Mehr über mich erfährst du hier.





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